Mondhymne
Im Glanz deiner Stunden, stirbt Seelendunkels Kind
Du stiftest Visionen neu, das traurige Auge wird blind
Mond, Sonnenspiegel der Finsternis
In deiner Schutzzone, Küsse verlieren sich leicht
Von Venusgeflüster umkost, verbotene Schranke weicht
Mond, Himmelskrone
Beleuchter der Sternenkarte, weist den Verirrten den Weg
Die Schutz suchen im hellen Schein, kauern am hölzernen Steg
Mond, Rettungswarte
Unter deinem Baldachin schlafen, alle Erdkreaturen
In deinem Schoß wiegst du sanft keimende Lebensspuren
Mond, Lebensträger, Vollstrecker der Zeit, galaktischer Wächter
Mond, Liebespatron, weißer Schwan der Nacht, Lichtbanner
Mond, kosmischer Staub, Hüter des Sternentors, Mitternachtsgott
Vera Hewener
Ferne Ufer
Zu fernen Ufern will ich reisen
in eine schöne, heile Welt.
Wo Möwen in der Sonne kreisen
und wo ein Traum vom Himmel fällt.
Dort will ich ankern und verweilen,
nicht nur für eine Wochenfrist.
Das Wunderschöne will ich teilen,
als Bleichgesicht und als Tourist.
Die Sehnsucht wirst auch du erfahren.
Ein Schauspiel, wenn die Sonne geht.
Und dabei sind wir uns im Klaren,
dass sich die Mutter Erde dreht.
Das ferne Ufer wird beweisen,
wir strampelten im Schlossverlies,
aus dem wir sicher gern entgleisen.
Und finden uns im Paradies.
Roman Herberth
UNSERE ANGST
Die Stärke, die das Herz vor Verletzungen bewahrt, hindert es auch daran, seine wahre Größe zu erreichen. Der Gesang der Stimme ist süß, der Gesang des Herzens aber ist wie eine Stimme vom Himmel.
Khalil Gibran
Sei weit meine Seele
Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tief tiefes Leben,
dass du weißt, was der Wind dir will,
eh noch die Birken beben.
Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
lass deine Sinne besiegen.
Jedem Hauch gib dich, gib nach,
er wird dich lieben und wiegen.
Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
und breite dich wie ein Federkleid
über die sinnenden Dinge.
Rainer Maria Rilke

